Ich spüre sofort die Kälte, als Inken das gemeinsame Bett verlässt. Sie kriecht zunächst meinen Rücken hoch, umschließt dann meinen gesamten Körper und lässt mich erschauern. Dennoch stelle ich mich schlafend, lausche, wie meine Frau die steile Holztreppe fast geräuschlos herunterklettert. Kurz darauf knarzt die Tür zu unserem winzigen Ankleidezimmer. Ich halte die Luft an, warte ab, bis Inken Minuten später in die Nacht hinausläuft. Erst dann setze ich mich auf, gehe fröstelnd ein paar Schritte bis ich von oben durch das Fenster im Wohnzimmer sehen kann. Der Lichtschein ihrer Taschenlampe tanzt draußen durch die Finsternis, wird langsam schwächer, bis er hinter den Dünen verschwunden ist. Wenn ich ihr doch nur helfen könnte. Auch jetzt noch, mehr als vier Monate nach Leifs Tod, schläft sie nachts kaum. Jeden Abend legt sie sich neben mich ins Bett, harrt aus, bis ich eingeschlafen bin. Dann schleicht sie sich davon und kehrt manchmal erst Stunden später wieder zurück. Dabei herrschen derzeit eisige Temperaturen. Die kalte Jahreszeit hat die Küste hier oben fest im Griff. Selbst Helene kann sich nicht erinnern, wann wir zuletzt einen so langen und strengen Winter hatten. Kurz vor Weihnachten hat es angefangen zu schneien, und seitdem nicht wieder aufgehört.