Leise gluckert Leifs Bett, als ich mich vorsichtig daraufsetze. Loki bleibt unschlüssig im Wohnzimmer sitzen. Auch er hat noch nicht ganz begriffen, dass wir nun hier im Drachenhaus leben. Ob Leif damit einverstanden gewesen wäre? Ich stehe wieder auf, gehe zum bestimmt hundertsten Mal durch sein kleines Haus. Überall duftet es nach Teebaumöl, ein allzu vertrauter Geruch, der mich erneut überwältigt und Tränen in meine Augen treibt. Was Inken wohl gerade macht? Hat sie mir das Drachenhaus aus einer Laune heraus angeboten oder tatsächlich gründlich darüber nachgedacht? Eigentlich gibt es nur einen Menschen, der hier mit Fug und Recht hätte einziehen dürfen, und das wäre sie selbst gewesen. Sicher hat sie ebenfalls nach wie vor schlaflose Nächte. Wir haben alle Schwierigkeiten, Leifs Tod endgültig zu akzeptieren. Loki bellt nachdrücklich, läuft stets zwischen Flur und Wohnzimmer hin und her.
»Was ist? Willst du wirklich raus, mein Freund? Es ist zwei Uhr!«
Leifs Hund Paul dagegen liegt müde neben dem bullernden Ofen. Ab und zu hebt er den Kopf, sieht mich traurig an und legt ihn dann wieder auf seine Pfoten. Er vermisst ihn, vermutlich noch mehr als ich. Auch wenn er bereits in fortgeschrittenem Alter war, als Leif ihn bei sich aufnahm, so war es doch für beide Liebe auf den ersten Blick.
Nein, ich werde heute eh wieder keinen Schlaf finden. Ich fühle mich wie ein Eindringling. Dies ist nicht mein Haus. Es gehört Leif, verdammt. Kurz entschlossen greife ich nach Lokis Leine, lege sie ihm jedoch nicht an. Wer soll uns um diese Zeit schon begegnen? Paul schüttelt den Kopf, er will nicht mit. Ich streichle ihm sanft über die riesigen Ohren, bin mir dessen voll bewusst, dass ich seinen alten Herrn nicht ansatzweise ersetzen kann.