An der ersten Mole halte ich wie immer an. Die eisige Gischt spritzt mir ins Gesicht, so dass es sich nahezu taub anfühlt. Auch Leif liebte diese Jahreszeit und dieses Wetter. Das Meer spült viele Schätze an Land und man ist hier am Strand allein mit seinen Gedanken. Hat Liv recht? Bin ich Tjark gegenüber unfair? Doch ich komme immer wieder zu dem gleichen Schluss. Weder Olav noch ich haben je den richtigen Draht zu Tjark gefunden. Und meiner Meinung nach lag das nicht unbedingt an uns. Zu oft hat er sich in Lügen verstrickt. Tauchte wochenlang nicht auf und meldete sich nicht mehr. Dennoch spielt das jetzt überhaupt keine Rolle. Ich habe Jeppe eine Zusage gegeben und habe mich stets an mein Wort gehalten. Das werde ich auch dieses Mal tun.
Kurz entschlossen drehe ich um. Freija sieht mir zunächst fragend hinterher, entscheidet sich dann aber doch, mir zu folgen. Ich gehe an der Kro vorbei zurück in den Ort, der für einen Freitag sehr verlassen vor mir liegt. Selbst am Supermarkt ist niemand zu sehen. Ob Mats bei diesem Wetter früher Feierabend gemacht hat? Trotz seines permanenten Beteuerns, den Job nur übergangsweise machen zu wollen, hat er sich doch voll reingekniet. Auch er sucht eine Bleibe im Ort. Kehrt wieder zu uns zurück.
Schon von weitem sehe ich, dass im roten Haus Licht brennt. Zwei Schatten stehen in der Küche nah beinander, scheinen sich zu unterhalten. Dann löst sich der Größere und geht hinüber ins Wohnzimmer. Kurz darauf erklingt ein singendes Geräusch. Eine Bohrmaschine. Nun gesellt sich der zweite Schatten zum Ersten. Ich vernehme ein Lachen, das nach purer Freude klingt. Die beiden sind glücklich und passen in dieses Haus, in dem auch Liv in der Vergangenheit mal genauso selig war.